Eine politisch-biographische Skizze
Vorbemerkung
Dieser Text ist eine Zusammenfassung unserer bisherigen Forschungen zur Biographie Karl Roches, ein Zwischenbericht. Obwohl bei weitem nicht vollständig, können wir schon hier einige Lücken schließen und Fehlinformationen korrigieren, die sich vor allem in der älteren Literatur finden und meist die Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918 betreffen.
Karl Roche war verheiratet mit Emma, geb. Lange, geboren am 22. 8. 1864 in Thorn/Ostpreußen. Sie hatten miteinander wenigstens 2 Kinder. Mehr wissen wir momentan nicht.
• Archiv Karl Roche – Regionales Archiv zur Dokumentation des antiautoritäten Sozialismus (Anarchosyndikalismus, Anarchismus und Rätekommunismuis) RADAS – Hamburg, im April 2009
Johann Friedrich Carl Roche
Geboren am 31. 10. 1862 in Königsberg/Ostpreußen
– gestorben am 1. 1. 1931 in Hamburg.
Nach Absolvierung der Volksschule schlägt sich Roche mehrere Jahre als Wanderarbeiter (hauptsächlich in der Landwirtschaft) durch. In diesem Zusammenhang wird er mehrfach »wegen Landstreichens und Bettelns« zu Gefängnis und Zwangsarbeit in kommunalen Arbeitshäusern (»Überweisung«) verurteilt.
Im Jahre 1887 – während des »Sozialisten-Gesetzes« – tritt Roche der illegalen sozialdemokratischen Partei bei. Zwischen 1887 und 1890 leistet er wahrscheinlich die in Deutschland übliche dreijährige Militärzeit ab (wenn er nicht wegen seiner Kurzsichtigkeit ausgemustert wird). 1891 wird er aktiv in der von der »Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands« geführten Gewerkschaftsbewegung, zuerst im »Verband der Fabrik-, Land- und gewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands« [1], für den er als Agitator im Hamburger Umland tätig ist. In dieser Zeit wird Roche zweimal zu mehrmonatigen Haftstrafen wegen »Beleidigung« bzw. »Majestätsbeleidigung« verurteilt. Im Jahre 1897 erfolgt der Übertritt zum »Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands« [2], für den er bis Anfang 1902 im Bereich Groß-Hamburg als Agitator und literarisch (Artikel im Verbandsorgan Der Arbeiter) tätig ist – was ihm wegen »öffentlicher Beleidigung« eine 14tägige Haftstrafe einbringt.
Seit April 1902 ist Roche in Elberfeld (Wuppertal), wo er 1905 vom »Verband« als Gauleiter für Rheinland-Westphalen angestellt wird. Anfang 1906 übersiedelt er nach Bochum/Westphalen, wo er als »Lokalangestellter« (Zweigstellenleiter) tätig ist, bis er ab dem 2. Mai 1907 wieder nach Hamburg kommt, um als »Bürohilfsarbeiter« beim Hauptvorstand des »Verbandes« zu arbeiten. Anläßlich seines Umzugs nach Hamburg 1907 stellt die Polizeiverwaltung der Stadt Bochum Roche das Qualitätszeugnis aus, er sei »in der sozialdemokratischen Partei wie in der freigewerkschaftlichen Arbeiter-Bewegung in schärfster und gehässigster Weise tätig« gewesen, was sich u. a. in zwei Geldstrafen »wegen öffentlicher Beleidigung eines Polizeibeamten« niederschlug.
Am 19. 4. 1909 wird Roche fristlos gefeuert wegen Kritik am Hauptvorstand (darunter Unterschlagung von Mitgliedsbeiträgen durch den Hauptkassierer); der Hauptvorstandskollege und Redakteur des Verbandsorgans Albert Töpfer ist gleichzeitig Roches Hauswirt und kündigt ihm zum 1. Mai 1909 die Wohnung.
Da die Hamburger SPD Roche die Gelegenheit verweigert, im Parteiorgan Hamburger Echo zum Rausschmiß Stellung nehmen zu können, verläßt er nach 22 Jahren die Partei und tritt zur lokalistischen »Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften« [3] über. Im Verlag der FVdG erscheint noch im selben Jahr der Bericht über seine ‘Abenteuer’ beim Hauptvorstand des »Zentralverband der Bauhülfsarbeiter Deutschlands« unter dem Titel »Aus dem roten Sumpf oder Wie es in einem nicht ganz kleinen Zentralverband zugeht« (Berlin 1909; Verlag Fritz Kater).
Roche, der sich (zumindest zeitweise) als Fischhändler durchschlagen muß, wird neben Paul Schreyer und Ernst Schneider zu einem der wichtigsten Protagonisten des Syndikalismus in Hamburg. Er wird Vorsitzender der »Syndikalistischen Vereinigung aller Berufe« und Kartelldelegierter und Schriftführer des im Juni 1913 gegründeten »Syndikalistischen Industrieverbandes«. Neben einer umfangreichen Tätigkeit als Referent veröffentlicht Roche in den beiden Organen der Lokalisten, Die Einigkeit und Der Pionier. Außerdem ist er wohl Verfasser der unter dem Pseudonym Diogenes erschienenen Schrift Die Ohnmacht der Sozialdemokratie im Deutschen Reichstag, eine Wanderung durch die Berichte der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion (Berlin 1912; Verlag Fritz Kater)
Zusammen mit Fritz Kater und Karl Windhoff wählt die FVdG Roche zum Delegierten für den ersten internationalen Syndikalistenkongreß, der vom 27. September bis zum 2. Oktober 1913 in London tagt. Auf dem 11. Kongreß der FVdG im Mai 1914 ist Roche einer der Delegierten für Hamburg und Referent zum Thema »Genossenschaften und Syndikalismus«.
Als die FVdG-Zeitungen mit Beginn des 1. Weltkrieges 1914 wegen ihrer konsequenten antimilitaristischen und den Krieg ablehnenden Haltung verboten werden, gehört Roche ohne Zweifel zu den Organisatoren, die den Zusammenhalt der Syndikalisten bis nach dem Kriege erfolgreich sichert [4].
Im letzten Kriegsjahr wird Roche, der aufgrund seines Alters und seiner Kurzsichtigkeit nicht zum Militär muß, auf der Vulcan-Werft als Nietenschreiber zwangsverpflichtet – eine strategisch günstige Stelle in der Revolutionszeit 1918/19 …
Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches treten auch die Syndikalisten wieder an die Öffentlichkeit und erhalten einen unerwartet großen Zustrom an neuen Mitgliedern. Die Einigkeit wird in Der Syndikalist umbenannt [5]. Die erste Ausgabe erscheint am 18. Dezember 1918.
Roche ist einer der führenden Propagandisten der wiedererstandenen FVdG. Schon im Januar 1919 unternimmt er zusammen mit Fritz Kater eine erste Agitationsreise durch Norddeutschland. Roche ist jetzt Geschäftsführer der »Syndikalistischen Föderation Hamburg«. Neben einer umfangreichen Vortragstätigkeit vor allem im norddeutschen Raum und Artikeln in Der Syndikalist veröffentlicht Roche vier der wichtigsten programmatischen Texte der FVdG im ersten Revolutionsjahr (die in dieser Broschüre nachgedruckt werden):
Was wollen die Syndikalisten? Programm, Ziel und Wege der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, Berlin 1919 (Verlag »Der Syndikalist«)
• Einheitslohn und Arbeitersolidarität [Vortrag, gehalten am 20. April 1919], Berlin 1919 (Verlag »Der Syndikalist«)
• Zwei Sozialisierungsfragen. 1. Wer soll sozialisieren? [Vortrag, gehalten am 1. Mai 1919 in Hamburg] 2. Ist die zusammengebrochene Wirtschaft für die Sozialisierung reif? [Vortrag, gehalten im Mai 1919], Hamburg 1919 (Verlag der Syndikalistischen Föderation Hamburg)
• Organisierte direkte Aktion, Berlin 1919 (Verlag »Der Syndikalist« Fritz Kater)
Seit dem Sommer des Jahres publiziert er auch in der in der Tageszeitung der Hamburger KPD, der Kommunistischen Arbeiter-Zeitung, zu gewerkschaftlichen Themen.
Am 29. November 1919 wird Roche von der Hamburger »Vulcan-Werft AG« gefeuert. In dem Kündigungsschreiben werden ausdrücklich seine führende Rolle in der Syndikalistischen Föderation Hamburg und die Propagierung der »passiven Resistenz« als Kündigungsgrund genannt: »Seine Führung und Leistung haben uns voll befriedigt, bis R. nach der politischen Umwälzung nach und nach Führer einer Richtung wurde, die durch Wort und Schrift in Betriebsversammlungen der Werft zur passiven Resistenz aufforderte. Diese Einwirkung war derart, daß wir uns von R. trennen mußten.« (Ein Spitzelbericht der Politischen Polizei hatte schon im Oktober des Jahres notiert: »Der Haupthetzer auf der Vulcanwerft ist der Syndikalist Roche. Sein Einfluss auf die Arbeiterschaft ist ungeheuer und mit Recht wird behauptet, dass er die Seele des verderblichen Widerstandes gegen Vernunft und Ordnung eines großen Teils der Arbeiterschaft ist.«)
Im Dezember 1919, noch vor Gründung der »Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Syndikalisten)«, verlassen Roche und Ernst Schneider die FVdG und wechseln zur »Allgemeinen Arbeiter-Union« [6]; sie sind auch in der oppositionellen Hamburger KPD [7] aktiv. Mit ihnen geht offenbar die große Mehrheit der Syndikalisten Hamburgs. Anlaß für diesen Schritt mögen einerseits die von Rudolf Rocker in der »Prinzipienerklärung des Syndikalismus« begründete Ablehnung der Diktatur des Proletariats und des bewaffneten Aufstandes, andererseits die – in der FAUD nicht unumstrittene – Umstellung von den traditionellen Fachverbänden auf das Industrieverbandsprinzip sein, während Roche das Konzept der betrieblichen Einheitsorganisation (»Betriebsorganisation«) favorisiert.
Seit Anfang 1920 ist Roche einer der führenden Köpfe der unionistischen Bewegung in Hamburg, neben Fritz Wolffheim und Heinrich Laufenberg, die zu diesem Zeitpunkt die unbestrittenen Sprecher der gesamten linken Opposition in der KPD gegen die Berliner Zentrale um Paul Levi sind (bevor die beiden sich bis August 1920 mit ihrem sogenannten ‘Nationalbolschewismus’ innerhalb der Linken mehr und mehr isolieren).
Roches erste größere Publikation für die AAU ist Anfang 1920 die Schrift Demokratie oder Proletarische Diktatur! Ein Weckruf der Allgemeinen Arbeiter-Union, Ortsgruppe Hamburg, [Hamburg] 1920. Er publiziert regelmäßig in der Tageszeitung der Hamburger KPD (seit April 1920 der KAPD), der Kommunistischen Arbeiter-Zeitung, und ist als Referent bei Veranstaltungen für Partei und Union vor allem im norddeutschen Raum aktiv. Seit März ist er Redakteur der KAZ-Rubrik »Arbeiter-Union«.
Roche tritt auf der 1. Reichskonferenz der AAU im Februar 1920 erfolgreich den Versuchen der Bremer KPD-Opposition (Karl Becker) entgegen, die Union zu einer wirtschaftlichen Hilfsorganisation der Partei zu machen. Das erste, sehr föderalistische Programm der AAU, angenommen auf der 2. Reichskonferenz im Mai 1920, trägt wesentlich Roches Handschrift. Da die Bremer Opposition um Becker und Paul Frölich sich nicht an der Gründung der »Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands« beteiligt [8] und zur KPD-Zentrale zurückkehrt, verlagert sich das Zentrum der Unionisten nach Hamburg.
Roches Kontakte zur FAUD scheinen trotzdem weiter bestanden zu haben, Er versucht in den nächsten Jahren mehrfach, wenn auch vergeblich, zumindest für Hamburg eine Kartellierung oder sogar organisatorische Vereinigung von Unionisten, Syndikalisten und Anarchisten herbeizuführen.
Als Vorsitzender der Pressekommission in Hamburg ist Roche Herausgeber der seit 1920 erscheinenden AAU-Zeitung des »Wirtschaftsbezirkes Wasserkante«, Der Unionist, und einer der Redakteure.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1920 nimmt in der AAU der Einfluß der KAPD zu. Die Richtung, die den Dualismus von Partei und Union zugunsten der Union überwinden will und die ökonomisch-politische Einheitsorganisation vertritt, gerät in die Defensive. Ihre Schwerpunkte liegen in Hamburg und Ostsachsen [9]. Auf der 3. Reichskonferenz der AAU im Dezember 1920 in Berlin (an der Roche teilnimmt) zeichnet sich ab, daß es keine Mehrheit für das Konzept der Einheitsorganisation gibt. Noch im selben Monat schließen die ostsächsischen Unionisten die KAPD-Mitglieder aus, Hamburg folgt Ende Mai 1921.
Roche faßt die Position der Opposition noch einmal in der Schrift Die Allgemeine Arbeiter-Union, (Hamburg [1921]; Herausgegeben von der Pressekommission der A.A.U. Groß-Hamburg) zusammen, die wahrscheinlich Anfang 1921 erscheint.
Nach dem Mitteldeutschen Aufstand im März 1921 (der sogenannten »Märzaktion«) wird Roche alsVorsitzender der Pressekommission des Unionist im April 1921 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er kommt allerdings im November des Jahres wieder frei.
Allerdings kann er deshalb nicht an der 4. Reichskonferenz der AAU (wiederum in Berlin) teilnehmen, auf der das von der KAPD favorisierte dualistische Modell Union (als ‘Massenorganisation’) und Partei (als theoretisch führender Kader) die Mehrheit gewinnt. Außerdem wird der föderalistische Aufbau der Union zugunsten eines zentralistischen Modells aufgegeben [10]. Die Opposition innerhalb der AAU gründet darauf im Oktober 1921 die »Allgemeine Arbeiter-Union Deutschlands (Einheitsorganisation)«.
Das Jahr 1923 stürzt die Weimarer Republik in einen existenzielle Krise. Die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen und der von der Reichsregierung unter dem Kanzler Wilhelm Cuno propagierte passive Widerstand dagegen, der mittels der Notenpresse finanziert werden soll und aus der schon gallopierenden Inflation eine Hyperinflation macht, ruiniert die Reichsfinanzen endgültig [11]. Nach dem Sturz Cunos im Sommer übernimmt ein Koalitionskabinett unter Gustav Stresemann (DVP), bestehend aus SPD, Zentrum, DDP und DVP.
Die Bildung von SPD-KPD-Koalitionsregierungen in Sachsen und Thüringen im Herbst geht parallel mit der Weigerung Bayerns, die antirepublikanischen Umtriebe von rechts zu unterbinden. Zwar hat die KPD unter dem Druck der KomIntern mit dem bewaffneten Aufstand geliebäugelt, aber keinen Rückhalt in den vielbeschworenen »Massen« gefunden. Die Reichsregierung (mit dem Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) abgesprochen) löst das Problem wie üblich – sie verhängt die Reichsexekution über Sachsen und Thüringen, um die gegen rechts unzuverlässigen Reichswehrverbände nicht gegen Bayern schicken zu müssen.
Die KPD nimmt – in realistischer Einschätzung der Kräfteverhältnisse – relativ kampflos die Entmachtung der sächsischen und thüringischen Koalitionsregierungen durch die Reichsexekutive hin. Wahrscheinlich durch einen Kommunikationsfehler erreicht diese Entscheidung die KPD in Hamburg nicht. Der gescheiterte Hamburger Aufstand der KPD vom 22. – 24. Oktober 1923 führt am 23. November zum reichsweiten Verbot nicht nur der KPD, sondern auch aller linksradikalen Organisationen einschließlich der FAUD, das bis zum 1. März 1924 andauert.
In dieser Zeit gelingt es der Reichsregierung mit der Einführung der Rentenmark [12] (15. November), die bis in schwindelnde Höhen angestiegene Inflation in den Griff zu bekommen und der Weimarer Republik eine kurze ökonomische und politische Stabilitätsphase zu bescheren, die mit dem New Yorker Börsenkrach 1929 endet.
Die AAUE in Hamburg bricht während der Illegalität faktisch zusammen. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum Roche zur Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands wechselt, um spätestens im Juli 1924 (wieder) in der FAUD aktiv zu werden[13]. Im FAUD-Verlag erscheint im selben Jahr seine Broschüre Der Proletarische Ideenmensch.
Roche gehört zu den Initiatoren vom Block antiautoritärer Revolutionäre in Norddeutschland, der seit 1924 versucht, die radikale, nichtbolschewistische Linke in Norddeutschland zumindest zu einer Aktionseinheit zusammenzufassen. In diesem Sinne ist auch die Konferenz des Bezirkes Nord-West der FAUD(S) vom 27. – 28. Dezember 1924 in Bremen gestaltet. Roche ist Referent der FAUD zum zentralen Thema: »Die Aufgaben der anti-autoritären Organisationen im Bezirk Nord-West«. An dieser Konferenz nehmen auch Vertreter der AAUE, der IWW und der Hamburger Anarchisten teil.
1925 erscheint von Roche die Broschüre Arbeiterjugend und natürliche Ordnung, Berlin 1925 (Verlag »Der Syndikalist«). Er schreibt regelmäßig für das FAUD-Organ Der Syndikalist, außerdem für die seit 1927 erscheinende theoretische Zeitschrift Die Internationale und andere syndikalistische Publikationen.
In seiner letzten größeren Veröffentlichung, dem 1930 als Artikelserie in Der Syndikalist erschienenen »Handbuch des Syndikalismus« faßt er nochmal sein politisches Credo zusammen.
Seine letzten Lebensjahre ist Roche ein schwer kranker Mann. Er stirbt am 1. Januar 1931, wenige Monate nach seinem 68. Geburtstag. »Sein letzter Gruß, den er uns unmittelbar vor seinem Tode schrieb, enthielt ein Versprechen weiterer schriftstellerischer Mitarbeit, der seine letzte Sorge galt.«, heißt es in dem Nachruf, der im Syndikalist (10. Januar 1931) erscheint. Und in der von Erich Mühsam herausgegebenen Zeitschrift Fanal (Februar 1931) schreibt Rudolf Rocker: »Seine rastlose Arbeit hat ihm nie Reichtum eingebracht; er ist als bitterarmer Proletarier gestorben, wie er immer gelebt hat.«
[2] seit 1905: »Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands«; seit 1908: »Zentralverband der Bauhülfsarbeiter Deutschlands«; 1910 mit dem »Zentralverband der Maurer Deutschlands« zum »Deutschen Bauarbeiterverband« zusammengeschlossen.
[3] Die FVdG ging aus der lokalistischen Opposition innerhalb der Freien Gewerkschaften hervor. Ursprünglich aus revolutionären Sozialdemokraten bestehend, die den reformistischen Kurs der Zentralverbände der Generalkommission ablehnten, wurde den Lokalisten 1907 von der Partei das Ultimatum gestellt, innerhalb eines Jahres sich den Zentralverbänden anzuschließen oder aus der SPD rauszufliegen. Die eine Hälfte (etwa 8000 Mitglieder) unterwarf sich, während die andere Hälfte mit den Sozialdemokraten brach und sich rasch dem revolutionären Syndikalismus annäherte. Nach dem 1. Weltkrieg entstand aus ihr die »Freie Arbeiter-Union Deutschlands«.
[4] Ob Roche Kontakt zur linken Opposition in der Hamburger SPD um Laufenberg und Wolffheim hatte, die später an der Gründung der KPD wie der KAPD führend beteiligt waren, konnte bisher nicht ermittelt werden.
[5] Die Umbenennung hatte der 11. Kongreß der FVdG im Mai 1914 beschlossen; seine Umsetzung wurde durch den Kriegsausbruch und die Illegalisierung verhindert.
[6] Die unionistische Bewegung entstand spontan in der ersten revolutionären Nachkriegsphase. Sie orientierte sich theoretisch mehrheitlich am revolutionären Marxismus, organisatorische Grundlage war die berufsübergreifende Betriebsorganisation (im Bergbau die Schachtorganisation); aufgebaut war sie in der Regel nach dem Räteprinzip. Ein kleinerer Teil der Unionisten schloß sich im Dezember 1919 mit der FVdG zur FAUD zusammen, die Mehrheit beteiligte sich am Gründungsprozeß der AAUD, während eine weitere Strömung (»Union der Hand- und Kopfarbeiter«) sich zeitweilig der KPD annäherte (die darüber nicht immer sehr glücklich war). Aus dieser Strömung entstanden nach 1925 die »Revolutionären Industrie-Verbände«.
[7] Die Hamburger KPD gehörte fast vollständig zur antiparlamentarisch-antigewerkschaftlichen Opposition gegen die Berliner Zentrale.
[9] Bekannte Vertreter sind, neben Roche (Hamburg), der Herausgeber der berliner Aktion, Franz Pfempfert, und Otto Rühle (Dresden).
[10] Insgesamt hatte es sich für die KAPD und die AAU-Mehrheit nicht gelohnt. Der 3. Weltkongreß der III. Internationale (22. Juni – 12. Juli 1921) verweigerte der KAPD endgültig die gleichberechtigte Aufnahme neben der VKPD (die im Dezember 1920 aus der Vereinigung von KPD(S) und USPD(Linke) entstandene Massenpartei mit ca. 300.000 Mitgliedern) in die KomIntern, und auch der Versuch der AAU, auf dem Gründungskongreß der »Roten Gewerkschafts-Internationale« (3. – 19. Juli 1921 in Moskau) eine revolutionäre antibolschewistische Opposition zu initiieren, scheiterte.
[11] Gewinner waren die Besitzer von Sachwerten und Devisen – die Kapitalisten. Der Arbeiterklasse ging es schlecht, oft sehr schlecht, aber sie war das gewohnt, denn es war ihr im letzten Jahrzehnt meist schlecht gegangen. Ruiniert wurde das Kleinbürgertum, der sogenannte Mittelstand – die, die ein kleines Gewerbe hatten oder genug Einkommen, um ein Sparguthaben anzulegen; sie sollten die Massenbasis des ‘Nationalsozialismus’ werden.